PAROLES

Ein Niedergang des Wortes, ein «déclin de la parole», kennzeichne unsere Zeit, heißt es im «Monde diplomatique» vom Februar '97. Der aufhaltsame Aufstieg des UItraliberalismus und der «pensée unique», ist auch geprägt durch die Unterdrückung des Wortes der Widerrede. Gegenargumente und Gegenvorschläge sollen im Jargon der falschen Selbstverständlichkeiten ertränkt werden.

Das Wort ergreifen statt zu schweigen, statt es den andern zu überlassen: so beginnt alle Selbstbestimmung, alle Zusammenarbeit, das gemeinsame Eingreifen.
Daher «Paroles»: Wort als Widerstand, als Gespräch, als Kooperation, als Anfang und Ausgangspunkt der gemeinsamen Einmischung.

Partei ergreifend, aber kein Parteiorgan; pluralistisch und offen, aber kein Schauplatz für sterile pseudo-theoretische Spielgefechte. Gesellschaftskritisch, aber nicht in hölzerner Sprache. Nachdenklich, aber nicht resigniert, sondern engagiert auf der Suche nach der konkreten Utopie der möglichen Alternativen. Zweifelnd, aber aufs Handeln gerichtet. So ungefähr ließe sich das Ziel beschreiben, das sich die Herausgeber dieser Zeitchrift gesetzt haben.

Die offene Debatte innerhalb der «Linken» ist unterentwickelt. Dabei brauchen wir gegen die herrschenden Verhältnisse und gegen die herrschende Meinung, die diese Verhältnisse zur einzigen Möglichkeit erklärt, dringend zweierlei: die Dogmen durchbrechen, denn die Veränderung beginnt in den Köpfen; und den «Widerstand» entfalten, denn das Denken allein schafft keine Veränderung.

Die Zeitschrift «Paroles» will dazu ihren bescheidenen Beitrag leisten - mit mehr als be scheidenen Mitteln erbracht. Sie kann nicht monatlich erscheinen und nicht in Tausenden von Exemplaren verbreitet werden, dazu reichen diese Mittel nicht. Sie will aber auch nicht zu einem Intimbulletin für einige linke Intellektuellen werden - sondern lesbar für die vielen, deren Engagement zur gesellschaflichen Veränderung notwendig ist. Eine Zeitschrift wie diese ist allerdings vor allem angewiesen auf ihre Sympathisant/innen. Nicht nur als Leser/innen, sondern auch als Helfer/innen. Willkommen ist jede Mitarbeit,. und selbstverständlich auch jede materielle Unterstützung.

«Paroles» soll sowohl politische und kulturelle Einzelthemen wie auch übergreifende Dossiers behandeln (in diesem Heft das Thema Arbeit und soziale Sicherheit). Wir legen den Schwerpunkt auf die sozialen Themen imweitesten Sinne des Wortes - allerdings in der festen Überzeugung, daß die soziale Frage sowenig von der ökologischen wie von der demokratischen Frage zu trennen ist. Nur, ihre Verknüpfung kann zu einer neuen Vitalität der Linken führen; da dies noch nicht alle Linken begriffen haben, ist eine der wesentlichen Ursachen für ihre Zersplitterung und Schwäche.

Die Herausgeber haben sich daher vorgenommen, in jeder Nummer mehrere Strömungen der politischen und gewerkschaftlichen .Linken zu Wort kommen zu lassen. Wir wollen zu Gespräch und Zusammenarbeit aufmuntern - also letzten Endes zur dringend gebotenen Bündelung der Kräfte beitragen.

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